Vorratsschädlinge

 
 

So bezeichnet man Tierarten, die Nahrungs- und Genußmittel sowie Futtermittel nach der Ernte, beim Transport und während der Lagerung befallen.

 

Sie spielen nicht nur in den Getreidespeichern, Silos und Lagerräumen eine erheblich schädigende Rolle, sondern auch bei der Vorratshaltung im Haushalt. Wenn diese Güter oft über längere Zeit bevorratet werden, kommt es häufig zu einer Massenvermehrung von Vorratsschädlingen.

 

Sie verursachen nicht nur durch Fraß erheblichen Schaden. Stark befallene Nahrungs- und Genußmittel sind schon aus hygienischen Gründen oft für den Verzehr durch den Menschen nicht mehr geeignet. In den wenigen Fällen müssen diese Vorräte daher vernichtet werden. Einige Staaten haben für die in der Qualität verminderten Nahrungsmittel bestimmte Verwendungs-Vorschriften bzw. -Verbote erlassen. Gegen die Einschleppung bestimmter Vorratsschädlinge bestehen in vielen Ländern scharfe Quarantänebestimmungen. Die Bekämpfung muß möglichst vor der Einlagerung in noch leeren und zuvor gereinigten Vorratsräumen durchgeführt werden.

 

In leeren Räumen kann man Vorratsschädlinge besser bekämpfen. Man verhindert so in den meisten Fällen, daß neu eingelagerte Vorräte überhaupt befallen werden.

   

Kornkäfer

 
 

3,5 - 5 mm langer, brauner bis schwarzer, flugunfähiger Rüsselkäfer. Entwicklung vom Ei über Larve und Puppe zum Volltier erfolgt im Getreidekorn, gelegentlich auch in Teigwaren, Graupen u.a. Eizahl pro Weibchen 100-200 Stück. Das Weibchen nagt ein Loch in das Getreidekorn, das zur Eiablage dient und danach wieder mit einem Sekret verschlossen wird. Äußerlich fast normal aussehende Körner enthalten Larve oder Puppe.

   
 

Durch die Larven werden die Körner vollkommen aufgefressen. Nur die leere, durchlöcherte Hülle bleibt erhalten. Befall durch die lichtscheuen Tiere nur im Innern der Getreidehaufen; Getreide mit hohem Feuchtigkeitsgehalt wird bevorzugt. Befallenes Getreide erwärmt sich und wird muffig. Folgeschädlinge vergrößern die Verluste. Der Kornkäfer ist der wichtigste Schädling in lagerndem Getreide.

   

Reiskäfer

 
 

Käfer ca 3 mm lang, braun bis schwarz mit 4 orangefarbenen Flecken auf den Flügeldecken, flugunfähig. Ansonsten Biologie und Schaden wie Kornkäfer.

   

Maiskäfer

 
 

Käfer ca. 4 mm lang, glänzend-braun bis schwarz, flugunfähig, deutliche Flecken auf Flügeldecken. Ansonsten Biologie und Schaden wie Kornkäfer.

   

Khaprakäfer

 
 

Käfer 1,8 - 3 mm lang, schwarz-braun mit hellen und dunklen Querbinden auf den Flügeldecken. Der Käfer selbst nimmt keine Nahrung auf. 40-60 Eier werden einzlen, z.B. an Getreidekörnern abgelegt. Larve gelbbraun, trägt am Hinterende lange Haarbüschel. Sehr wärmeliebend, bei höheren Temperaturen mehrere Generationen pro Jahr. Larve überlebt Temperaturen bis zum Gefrierpunkt, kann bis zu 1 Jahr hungern.

   
 

Befallen werden außer Getreide, getreidemehlprodukte, Grießmehl, Ölkuchen, Malz, Trockenmilch, Erdnüsse u.a. Bedeutendster Quarantäne-Schädling.

   

Getreideplattkäfer

 
 

Ca. 3 mm langer, schlanker, abgeplatteter Käfer, tabakbraun, am Halsschild beiderseits 6 spitze Zähnchen. Sehr lebhaft. 150 - 200 Eier werden zwischen den Körnern abgelegt. Entwicklungsdauer je nach Temperatur 3 Wochen bis 4 Monate. Gegen Frost und Lufttrockenheit empfindlich.

   
 

Käfer und Larve fressen an Getreidekörner, Mehlprodukte, Teig-/Backwaren, Dörrobst, Nüsse u.a. In Lebensmittelbetrieben und -lägern gefürchtet, da er Verpackungsmaterial durchnagt und wegen seiner geringen Größe und großen Beweglichkeit überall hingelangen kann. Oft Folgeschäden von Kornkäfern.

   

Leistenkopfplattkäfer

 
 

Käfer ca. 2 mm lang, braun, platt mit langen Fühlern und Halsschild ohne Zähnchen. Ansonsten Biologie und Schaden wie Getreideplattkäfer.

   

Mehlkäfer

 

Käfer ca. 12-18 mm lang, frischgeschlüpft braun, später schwarz, Punktstreifen auf Flügeldecken. Ca. 150 - 200 klebrige Eier werden zwischen der Nahrung abgelegt. Larve bis 28 mm lang, erst weiß, dann gelbbraun, glatt, als "Mehlwurm" bekannt. Entwicklungsdauer vom Ei bis zum Käfer ca. 1,5 Jahre.

   
 

Larven und Käfer fressen und verschmutzen Mehlprodukte, getreideabfälle, auch Teig- oder Backwaren. Mehl wird klumpig und riecht muffig. Befall geht meist von unbeachteten Getreide- und Mehlabfällen aus. Larven bohren gelegentlich auch Löcher in Bretter und Balken. Auch Überträger verschiedener parasitärer Würmer.

   

Rotbrauner Reismehlkäfer

 
 

Käfer 3-4 mm lang, hell rotbraun gefärbt. Feine Punktstreifen und Längsrippen auf den Flügeldecken. Eizahl 300-600, Larven gelblich-braun, bis 8 mm lang. Entwicklungsdauer vom Ei bis Käfer bei Zimmertemperatur ca. 3-4 Monate. Mehrere Generationen jährlich. Wenig widerstandsfähig gegen Kälte und Nahrungsmangel.

   
 

Käfer und Larven fressen Mehl bzw. Mehlprodukte, auch Teigwaren, Backwaren, Dörrobst, Nüsse. Gelegentlich am Getreide als Folgeschädling von Kornkäfer u.a. Starke Verunreinigung, Mehl wird klumpig, riecht muffig und erwärmt sich. An der Oberfläche befallener Partien häufig Larvenhäute.

   

Amerikanischer Reismehlkäfer

 
 

Käfer kastanienbraun, 4 mm lang. Ansonsten Biologie und Schaden wie beim Rotbraunen Reismehlkäfer.

   

Vierhornkäfer

 
 

Käfer ca. 4 mm lang, rotbraun; Männchen tragen auf dem Kopf nach vorn gerichtete Hörner. Die Weibchen ähneln im Aussehen dem Reismehlkäfer. Vermehrungsfähigkeit geringer als bei Rotbraunem Reismehlkäfer.

   
 

Schaden wie bei Rotbraunem Reismehlkäfer.

   

Schwarzer Getreidenager

 
 

Käfer glänzend schwarzbraun, stark abgeplattet, zwischen Halsschild und Rumpf tief eingeschnürt, ca. 11 mm lang. Eizahl zwischen 500 und 1000. Schmutzigweiße Larve, ca. 20 mm lang, bohrt sich zur Verpuppung oft in weiches Holz ein. Entwicklungsdauer ca. 1 Jahr. Käfer sehr langlebig.

   
 

Getreidekörner sind unregelmäßig befressen, Keimanlage wird bevorzugt. Fraßschaden durch Käfer und Larven auch an Mehlprodukten, Backwaren, Sämereien u.a. möglich. Selbst in Säcke und Sichterbespannungen von Mühlen werden Löcher gefressen. Larven und Käfer vermögen sich durch Verpackungsmaterialien zu fressen.

   

Getreidekapuziner

 
 

Der Halsschild des 3 mm langen, schwarzbraunen Käfers ist kapuzenartig über den Kopf gestülpt. Auffällig sind die starke Einschnürung hinter dem Halsschild und die Punktstreifen auf den Flügeldecken. 300-500 Eier werden an Getreidekörnern abgelegt. Die Larven-Entwicklung und Verpuppung erfolgen im Korn. Bei Normaltemperatur ca. 2 Generationen pro Jahr. Bei zu warm eingelagertem Getreide Entwicklungsdauer ca. 5 Wochen, entsprechend mehrere Generationen pro Jahr.

   
 

Die Getreidekörner sind unregelmäßig angefressen oder können völlig ausgefressen werden. Schäden sind auch an den verschiedensten Getreideprodukten, trockenen Backwaren, Bohnen u.a. möglich. Den Hauptschaden verursachen die Larven, aber auch die Käfer selbst schädigen durch ihre Bohrtätigkeit. Wichtiger Verpackungsschädling.

   

Brotkäfer

 
 

Rotbrauner, ca. 3 mm langer Käfer. Volltier nimmt keine Nahrung auf. Legt bis zu 100 Eier an Nahrungsstoffen ab. Frischgeschlüpfte Larven weiß, breiten sich über größere Strecken aus und dringen überall ein. Puppe in ovalen, aus Nahrungsteilchen zusammengesponnenen Köchern. Meist nur 1 Generation pro Jahr.

   
 

Brot, Gebäck, Teigwaren, Getreidekörner zeigen stecknadelkopfgroße, kreisrunde Löcher. Schäden auch in Hülsenfrüchten, an Mahlprodukten, Gertignährmitteln, trockenen Pilzen und Gemüse, Kräutern, Tee, Kaffeebohnen u.a. Außerdem werden Verpackungsmaterialien, wie Papier, Pappe u.ä. durchfressen.

   

Speisebohnenkäfer

 
 

Gelbgrüner, bis 5 mm langer Käfer mit hellgrauen Flecken. Ca. 40-50 Eier werden lose zwischen die Leguminosensamen abgelegt. Larven bohren sich in das Samenkorn ein; dort verpuppen sie sich. Sehr wärmeliebender Schädling, bei 20 C entwickelst sich eine Generation in 3 Monaten.

   
 

Die verschiedensten Leguminosensamen zeigen mehrere kreisrunde Löcher. Der Mehlkörper wird ausgefressen, im Innern findet man Larven, Puppen und Jungkäfer.

   

Tabakkäfer

 
 

Käfer bis zu 3,5 mm lang, braun, nimmt keine Nahrung auf. 20-30 Eier werden an Tabak und Tabakwaren abgelegt. Larve weiß, 4 mm lang, benötigt hohe Temperaturen zur Entwicklung, Gesamtentwcklungsdauer je nach Temperatur 6-10 Wochen. Kann sich nur in dauernd beheizten Räumen halten.

   
 

Tabakwaren, Ölkuchen, Trockenfrüchte u.a. pflanzliche Substanzen zeigen kleine Bohrlöcher und Fraßgänge mit leichtem Kotauswurf. Typischer Schädling an Importwaren aus wärmeren Gebieten.

   

Rotbeiniger Schinkenkäfer

 
 

Metallglänzender, metallisch blauer Käfer, bis 6 mm lang, Beine rotbraun. Eizahl 150-300, bei günstiger Ernährung bis 2000. Larve bis 10 mm lang. Zunächst weiß, spätr grau. Verpuppung meist außerhalb der befallenen Ware in Kokons aus organischem Material, wie Schinken, trockenes Fleisch, Holz u.a. Entwicklungsdauer 6 Wochen bis 6 Monate, von Temperatur und Nahrungsangebot abhängig.

   
 

Käfer und die noch gefräßigeren Larven ernähren sich von Schinken, Rauchwurst, Därmen, Fellen, Hartkäse, Fischmehl, Schokolade, Trockenfrüchten, u.a.

   

Australischer Diebkäfer

 
 

Käfer braun, bis 4 mm lang. Die Weibchen legen auf Produkten tierischer und planzlicher Herkunft bis zu 1000 Eier ab. Die Entwicklung dauert ca 3. Monate. Die Käfer können nicht fliegen, neigen aber zu ausgedehnten Wanderungen.

   
 

Käfer und Larven fressen an Backwaren, Mahlprodukten aller Art, Gewürzen, Kräutern, aber auch an Fleischwaren, Häuten u.a. In befallenen Vorräten findet man die dickwandigen Puppenkokons, meist an der Innenseite von Verpackungsmaterial festsitzend. Verpackungsmaterial oft durchlöchert. Befallenes Gut wird durch Sekretfäden stark verschmutzt.

   

Moderkäfer

 
 

Sehr kleiner Käfer, 1-1,5 mm lang, Farbe rötlichgelb bis schwarz. Leben hauptsächlich von Schimmelpilzen. Es gibt zahlreiche Arten, die nur schwer voneinander zu unterscheiden sind.

   
 

Die Käfer treten als Lästlinge auf und verursachen Schäden, wenn sie in Lebensmittelvorräte, medizinische Nährpräparate oder Gesundheitstee geraten. Treten häufig in nicht genügend ausgetrockneten Neubauwohnungen sowie Geflügelstallungen auf.

   

Getreidemotte

 
 

Flügelspannweite des Falters bis 18 mm, Vorderflügel lehmgelb mit schwarzen Punkten. Hinterflügel erinfarbig, grau. Raupen erst gelblichrot, dann weiß, bis 6 mm lang, zylindrisch.

   
 

Raupen fressen runde, glattrandige Löcher in Getreide-, Reis- und Maiskörner. Korninneres wird zerstört. Häufig in Importen aus wärmeren Gebieten.

   

Kornmotte

 
 

Ähnlich der Getreidemotte, Vorderflügel jedoch silberglänzend, Spannweite 12 mm. Legt ca. 100 Eier zwischen Körnern ab. Raupen weißlich-gelb, bis 10 mm lang. Puppen in Getreide, aber auch in Dielenritzen, Balkenrissen u.a. Verstecken. 2 Generationen jährlich.

   
 

Getreide, besonders Roggen, wird von den Raupen an- und ausgefressen. Jungräupchen bevorzugen zunächst die Keimanlage der Körner. Körner mit Kotklumpen werden zusammengesponnen. Oft sind Getreidehaufen von glänzendem Gespinst überzogen. Schaden auch an gelagerten Drogenpflanzen, Gewürzen u.a. pflanzlichem Material.

   

Mehlmotte

 
 

Flügelspannweite des Falters 22 mm. Vorderflügel bleigrau mit gezackten dunklen Querbändern. Hinterflügel einfarbig, heller. Ca. 200 Eier. Rötliche, grünliche oder weiße, bis 20 mm lange Raupen sitzen oft in Gespinströhrchen. Verpuppung in Verstecken, Ritzen, Säcken u.a. außerhalb des Nährsubstrats. 3-4 Genertionen jährlich.

   
 

Raupen fressen, verschmutzen und verspinnen Mehlprodukte. Backwaren, Körner, Dörrobst u.a. Durch die sehr starke Gespinstbildung kann es in Mühlen zu Verstopfungen der Förder und Siebeinrichtungen kommen.

   

Speichermotte (auch Heu- oder Kakaomotte)

 
 

Ähnlich der Mehlmotte, nur etwas kleiner, Querbänder auf Vorderflügeln mehr gewellt.

   
 

Raupen fressen an Kakaoprodukten, Futtermitteln, Nüssen, Dörrobst u.a. Durch die sehr starke Gespinstbildung kann es in Mühlen zu Verstopfungen der Förder- und Siebeinrichtungen kommen.

   

Kupferrote Dörrobstmotte

 
 

Flügelspannweite des Falters 20 mm. Vorderflügel an der Basis gelbgrau, an der Spitze kupferrot. Ca. 200 Eier, Raupen bis 16 mm lang, weißrosa oder grünlich. 2 Generationen pro Jahr.

   
 

Raupen fressen Keimanlage aus Körnern heraus, Körner durch Gespinste mit Kotkrümeln zu Klumpen verbunden. Lochfraß an Dörrobst, Nüssen, Backwaren, gelagerten Drogenpflanzen, Gewürzen u.a. Zur Verpuppung hin starke Gespinstbildung.

   

Mehlmilbe

 
 

Ausgewachsene Tiere 0,4-0,6 mm lang, weiß, sehr langsame Bewegungen. Ausgewachsene Tiere tragen 8, Larven 6 Beine. Während der Larven-Entwicklung auftretende Ruhestadien ermöglichen langes Überleben bei Nahrungsmangel und Trockenheit.

   
 

Befallene Körner, Teig- und Backwaren sind wie von einer hellen Staubschicht überzogen. Bei Getreidekörnern wird zunächst die Keimanlage, dann der Mehlkörper befressen. Beim Mehl findet man auf der Oberfläche und im Innern feine Milbengänge. Befallene Produkte verderben, schmecken bitter und sind für Mensch und Tier gesundheitsschädlich. Hauptschaden bei feuchter Lagerung.

   

Hausmaus

 

Auf der Oberseite dunkel bis schwarz, unterseits grau gefärbt. Körper und Schwanz jeweils 9 cm lang. Große Vermehrungsfähigkeit. 4-8 Junge pro Wurf, 4-6 Würfe jährlich. Lebt bevorzugt in trockenen Räumen, kann sich gut an verschiedene Bedingungen anpassen. z.B. an Kälte (Vorkommen in Kühlhäusern).

   
 

Lebens- und Futtermittel, aber auch Textilien, Papier, Leder u.a. werden angefressen und durch Exkremente verunreinigt. An Getreide unterscheidet sich Auftreten der Mäuse von Rattenbefall durch das Vorhandensein von kleinen, ca. 1-2 mm großen Nagespänen (Spelzen, Kornstückchen). Überträgt auch Krankheiten, z.B. Paratyphus, Trichinose u.a.